Baumhaftung und Eschen

An meiner Laufstrecke befanden sich Eschen, die vom Wind geworfen wurden. Die Bäume waren durch das sogenannte Eschentriebsterben geschwächt. Die Folge davon war, dass der Waldbesitzer sämtliche Eschen entfernt hat. Dies war aus Sicht des Besitzers das Sinnvollste, um bei einem allfälligen Schadensfall nicht in die Haftung zu kommen. Glücklicherweise stehen an meiner Strecke auch andere Baumarten, die Entnahme der Eschen war kein völliger Kahlschlag.

Gerade im Zusammenhang mit dem Eschentriebsterben kommt es weit und breit zu vorsorglichen Fällungen, auch von Bäumen, die keine Anzeichen eines Befalls zeigen. Speziell in Auwald – Beständen finden sich oftmals fast ausschließlich Eschen, so zum Beispiel in Klosterneuburg oder Korneuburg, innerhalb denen ein besonders hoher Infektionsdruck herrscht. Doch diese Eschenbestände erfüllen einen wichtigen Zweck in Naherholungsgebieten, das von vielen Menschen aufgesucht wird. Würde man hier auch so vorgehen, wie das an meiner Laufstrecke erfolgte, so müssten diese Baumbestände in ihrer Gesamtheit entfernt werden. Dieses Szenario ist nicht denkbar. Dennoch stellt sich auch hier die gleiche Haftungsfrage.

Das Eschentriebsterben bringt die Problematik der Baumhaftung sehr klar auf den Punkt: Wie kann man zwischen Sicherheit und Erhaltung auch größerer oder alternder Baumbestände abwägen? Es gibt zu der Lösung dieser Frage wohl mehrere sinnvolle Wege. Weiterführende Info dazu: www.baumkonvention.at

Baumexperten im Einsatz für eine nachhaltige Waldentwicklung

Während im Wald die Forstarbeiter weithin sichtbar die Käferbäume fällen und die entstehenden Lücken uns das Ausmaß der Dürreschäden im Wald verdeutlichen, klettern Baumexperten im Land auf Bäume um wertvolles Saatgut für Zukunftsbäume zu gewinnen. Eine stille verschworene Gesellschaft sorgt hier beinahe unsichtbar für unsere nachhaltige Waldentwicklung. Sie verbringen Wochen in Wipfeln bis zu 50m hoher Tannen und ringen mit den dort auf sie wartenden Widrigkeiten.

Die Baumsteiger sichern sich an lediglich wenige millimeter dicken Seilen wenn sie in die Baumwipfel vordringen und kämpfen mit dürren Zweigen, Nässe und Schmutz. Permanent kratzen Zweige und Nadeln an Helm, Brille und zerreißen die Kleidung. Trotz der großen Höhe bekommen es die Kletterer in den Wipfeln schnell mit Platzangst zu tun da hier die Äste so dicht stehen, dass ein weiterkommen oft kaum mehr möglich scheint. Erst ganz auf der Spitze bilden sich an den Tannen die benötigten Zapfen und hier kann die eigentliche Arbeit beginnen. Gesichert lediglich an handgelenkdicken Wipfelstangen richten sie es sich nun den Umständen entsprechend bequem ein und beginnen das wertvolle Gut in große Säcke zu Pflücken. Es riecht aromatisch nach Harz und diese beginnt sich auf Haaren, Händen und Ausrüstung festzusetzen sodass diese schlussendlich kaum mehr funktioniert. Das Harz verklebt Seilkürzer und Abseilgeräte gnadenlos! Sind die Säcke voll so werden sie kurzerhand vom Baum geworfen und kommen mit etwas Glück ohne aufzureißen am Boden an.

 

 

 

Diese Arbeiten, oft durchgeführt tief in großen Waldgebieten weit abseits von Siedlungen, gehören zu den fordernsten und anspruchsvollsten Tätigkeiten für Baumkletterer. Wenn nach dem Aufarbeiten des Schadholzes die Forstleute beginnen neue Bäume zu pflanzen so sind sie angewiesen auf Pflanzen die regional aufgezogen wurden und von heimischen Bäumen stammen, denn nur die sind an die vorherrschenden Bedingungen angepasst werden zu stabilen Waldgesellschaften die eine nachhaltige Holzversorgung sicherstellen.