Regenwasser für Stadtbäume

In einem heißen Sommer wie 2018 sucht jede und jeder einen kühlenden Schatten. Bäume erfüllen diese Funktion in idealer Weise. Um diese Funktion zu erfüllen, brauchen Bäume auch Wasser. Durch die starke Verdichtung der städtischen Böden gibt es dabei kaum mehr Platz für die Wurzeln. Aber – wie heißt es so schön – jedes Problem kennt seine Lösung!

So haben Gärtner in Stockholm gesehen, dass die Bäume am Bahndamm mit groben Steinen unglaublich gut gedeihen. Findige Fachleute haben sich überlegt, wie man diesen groben Schotter unter dem Verkehrsraum einbauen kann, um auch dort das Wurzelwachstum zu fördern. Dazu gemischt wird etwas Sand und Pflanzenkohle. Die Bäume wachsen dann unglaublich gut, das Wasser aus starken Regenfällen kann unter dem Verkehrsraum gelagert werden. Teure Erweiterungen im Kanalnetz kann man sich dadurch ersparen. Engagierte Fachleute haben die Idee schon nach Österreich gebracht – und die Umsetzung ist schon stark im Kommen. Geht es den Bäumen gut, geht es uns allen gut!

Durch den Einlagerung von Pflanzenkohle kommt sogar CO² aus der Atmosphäre in den Boden und wird dort für eine Ewigkeit gebunden.

In manchen Ländern werden statt des groben Schotters große Plastikkisten eingebaut, um die oben liegende Verkehrsfläche zu tragen. Das ist jedoch wesentlich unflexibler und mit unsinnigen Kosten verbunden. Nachhaltig ist das nicht!

Baumhaftung und Eschen

An meiner Laufstrecke befanden sich Eschen, die vom Wind geworfen wurden. Die Bäume waren durch das sogenannte Eschentriebsterben geschwächt. Die Folge davon war, dass der Waldbesitzer sämtliche Eschen entfernt hat. Dies war aus Sicht des Besitzers das Sinnvollste, um bei einem allfälligen Schadensfall nicht in die Haftung zu kommen. Glücklicherweise stehen an meiner Strecke auch andere Baumarten, die Entnahme der Eschen war kein völliger Kahlschlag.

Gerade im Zusammenhang mit dem Eschentriebsterben kommt es weit und breit zu vorsorglichen Fällungen, auch von Bäumen, die keine Anzeichen eines Befalls zeigen. Speziell in Auwald – Beständen finden sich oftmals fast ausschließlich Eschen, so zum Beispiel in Klosterneuburg oder Korneuburg, innerhalb denen ein besonders hoher Infektionsdruck herrscht. Doch diese Eschenbestände erfüllen einen wichtigen Zweck in Naherholungsgebieten, das von vielen Menschen aufgesucht wird. Würde man hier auch so vorgehen, wie das an meiner Laufstrecke erfolgte, so müssten diese Baumbestände in ihrer Gesamtheit entfernt werden. Dieses Szenario ist nicht denkbar. Dennoch stellt sich auch hier die gleiche Haftungsfrage.

Das Eschentriebsterben bringt die Problematik der Baumhaftung sehr klar auf den Punkt: Wie kann man zwischen Sicherheit und Erhaltung auch größerer oder alternder Baumbestände abwägen? Es gibt zu der Lösung dieser Frage wohl mehrere sinnvolle Wege. Weiterführende Info dazu: www.baumkonvention.at

Eschen Forschung

Waren um die Jahrtausendwende Forstleute noch besorgt, dass es zu einer „Vereschung“ kommen könnte und drängten diese nach Möglichkeit zurück um wirtschaftlich attraktiveren Baumarten Platz zu machen, so schien dies bloß ein Vorbote für einen flächendeckenden natürlichen Rückgang zu sein. In einer ersten Phase, dem Eschentriebsterben, war die baumpflegerische Praxis geprägt von vermehrten Dürrastentnahmen und Fällungen von weitgehend abgestorbenen Eschen.

Wenige Jahre später wurde bereits von einem Eschensterben gesprochen und einerseits als Gelegenheit gesehen unliebsame Bestände endgültig zu eliminieren, andererseits wurde schmerzhaft die wirtschaftliche und ökologische Bedeutung spürbar. Zuletzt kam es zu einer dramatischen Eskalation der Situation, nachdem vermehrt Eschen ohne erkennbare Vorzeichen einfach umfielen.

Das Bundesforschungszentrum für Wald erforscht die Schadensdynamik und versucht in einem Projekt gemeinsam mit der Baumpartner Arboristik GmbH makroskopische, visuelle Merkmale zu selektieren und hinsichtlich der Standsicherheit zu bewerten.

Hierzu wurden die Bewegungsmuster betroffenen Eschen mit hochauflösenden Datenloggern während Starkwindereignissen gemessen. In einer weiteren Phase werden die Bäume mittels Seilzug entwurzelt und mit den Beobachtungen im Wind verglichen.

Vorläufiges Fazit der laufenden Untersuchungen: Es gibt noch Bäume die ausgesprochen stabil verankert sind und es besteht Hoffnung, dass diese visuell erkennbar sind beziehungsweise durch gerätetechnische Untersuchungen beurteilt werden können!