Baumexperten im Einsatz für eine nachhaltige Waldentwicklung

Während im Wald die Forstarbeiter weithin sichtbar die Käferbäume fällen und die entstehenden Lücken uns das Ausmaß der Dürreschäden im Wald verdeutlichen, klettern Baumexperten im Land auf Bäume um wertvolles Saatgut für Zukunftsbäume zu gewinnen. Eine stille verschworene Gesellschaft sorgt hier beinahe unsichtbar für unsere nachhaltige Waldentwicklung. Sie verbringen Wochen in Wipfeln bis zu 50m hoher Tannen und ringen mit den dort auf sie wartenden Widrigkeiten.

Die Baumsteiger sichern sich an lediglich wenige millimeter dicken Seilen wenn sie in die Baumwipfel vordringen und kämpfen mit dürren Zweigen, Nässe und Schmutz. Permanent kratzen Zweige und Nadeln an Helm, Brille und zerreißen die Kleidung. Trotz der großen Höhe bekommen es die Kletterer in den Wipfeln schnell mit Platzangst zu tun da hier die Äste so dicht stehen, dass ein weiterkommen oft kaum mehr möglich scheint. Erst ganz auf der Spitze bilden sich an den Tannen die benötigten Zapfen und hier kann die eigentliche Arbeit beginnen. Gesichert lediglich an handgelenkdicken Wipfelstangen richten sie es sich nun den Umständen entsprechend bequem ein und beginnen das wertvolle Gut in große Säcke zu Pflücken. Es riecht aromatisch nach Harz und diese beginnt sich auf Haaren, Händen und Ausrüstung festzusetzen sodass diese schlussendlich kaum mehr funktioniert. Das Harz verklebt Seilkürzer und Abseilgeräte gnadenlos! Sind die Säcke voll so werden sie kurzerhand vom Baum geworfen und kommen mit etwas Glück ohne aufzureißen am Boden an.

 

 

 

Diese Arbeiten, oft durchgeführt tief in großen Waldgebieten weit abseits von Siedlungen, gehören zu den fordernsten und anspruchsvollsten Tätigkeiten für Baumkletterer. Wenn nach dem Aufarbeiten des Schadholzes die Forstleute beginnen neue Bäume zu pflanzen so sind sie angewiesen auf Pflanzen die regional aufgezogen wurden und von heimischen Bäumen stammen, denn nur die sind an die vorherrschenden Bedingungen angepasst werden zu stabilen Waldgesellschaften die eine nachhaltige Holzversorgung sicherstellen.

Betriebsinterner Kletterkurs

Der beste Weg um von Bäumen zu lernen, ist auf sie zu klettern. In der Auseinandersetzung mit den täglichen Fragestellungen um Bäume können wir auf unsere langjährige Erfahrung als Baumsteiger zurückgreifen. Da Bäume generationenübergreifendes Denken erfordern sind wir bemüht unser Wissen auch an unsere jungen Baumpfleger weiter zu geben. Remy Gschwandtner, Meisterschaftsveteran und akkreditierter Ausbilder der SVLG für Seilklettertechnik, nahm sich Zeit um wesentliche Inhalte zu vermitteln und ausführlich zu üben. So wurden Seile hoch in Baumkronen installiert um daran hochzusteigen um sich dann weiter in die Kronenperipherie zu bewegen. Mit Steigeisen wurde eine Birke mit allen Finessen der Seiltechnik abgetragen. Als sehr wesentliches Element der anspruchsvollen Arbeit mussten auch mehrere Rettungsszenarien geübt werden.

Eschen Forschung

Waren um die Jahrtausendwende Forstleute noch besorgt, dass es zu einer „Vereschung“ kommen könnte und drängten diese nach Möglichkeit zurück um wirtschaftlich attraktiveren Baumarten Platz zu machen, so schien dies bloß ein Vorbote für einen flächendeckenden natürlichen Rückgang zu sein. In einer ersten Phase, dem Eschentriebsterben, war die baumpflegerische Praxis geprägt von vermehrten Dürrastentnahmen und Fällungen von weitgehend abgestorbenen Eschen.

Wenige Jahre später wurde bereits von einem Eschensterben gesprochen und einerseits als Gelegenheit gesehen unliebsame Bestände endgültig zu eliminieren, andererseits wurde schmerzhaft die wirtschaftliche und ökologische Bedeutung spürbar. Zuletzt kam es zu einer dramatischen Eskalation der Situation, nachdem vermehrt Eschen ohne erkennbare Vorzeichen einfach umfielen.

Das Bundesforschungszentrum für Wald erforscht die Schadensdynamik und versucht in einem Projekt gemeinsam mit der Baumpartner Arboristik GmbH makroskopische, visuelle Merkmale zu selektieren und hinsichtlich der Standsicherheit zu bewerten.

Hierzu wurden die Bewegungsmuster betroffenen Eschen mit hochauflösenden Datenloggern während Starkwindereignissen gemessen. In einer weiteren Phase werden die Bäume mittels Seilzug entwurzelt und mit den Beobachtungen im Wind verglichen.

Vorläufiges Fazit der laufenden Untersuchungen: Es gibt noch Bäume die ausgesprochen stabil verankert sind und es besteht Hoffnung, dass diese visuell erkennbar sind beziehungsweise durch gerätetechnische Untersuchungen beurteilt werden können!